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Stelle dich uns bitte einmal vor. Wer bist du? Was hast du gemacht bisher?

Mein Name ist Hanna Asmussen. Ich bin eine der drei Gründerinnen von Localyze. Uns gibt es seit letztem Jahr und wir machen eine Software für Relocation Management. Das kann man sich so vorstellen: Für Unternehmen, die internationale Mitarbeiter einstellen, übernehmen wir alles, was nach der Einstellung kommt. Sprich wir kümmern uns um Visa, Versicherungen, Wohnungssuche und die Sozialintegration. Das Unternehmen hat mit dem restlichen Prozess daher also nichts mehr zu tun.

Da wir das Ganze über eine Software abwickeln, haben wir auch ein günstigeres Angebot gegenüber Agenturen und wollen globale Mobilität und internationales Recruiting erleichtern. Wir möchten es aber vor allem auch den Mitarbeitern leichter machen nach Deutschland zu kommen, weil wahrscheinlich jeder den Schmerz nachvollziehen kann, wenn man ins Ausland geht und sich erst einmal zurechtfinden muss. Das wollen wir alles erleichtern.

Zu mir selber: Ich habe im Bachelor und Master Wirtschaftsingenieurwesen in Berlin studiert und bin dann für meinen Beruf nach Hamburg gezogen. Hier habe ich anderthalb Jahre in einer Unternehmensberatung bei Boston Consulting gearbeitet und kümmere mich jetzt in Vollzeit um Localyze.

Welches Problem löst ihr mit eurer Software?

Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland ziehen, haben häufig Probleme mit Visa, Versicherungen und Wohnungssuche. Dazu kommen oft Sprachbarrieren und bürokratische Hürden, die es zu meistern gilt. Genau das tun wir mit Localyze.

Was hat euch motiviert, das Startup zu gründen und wie habt ihr euch auf die Gründung vorbereitet?

Wir haben alle drei schon häufig im Ausland gewohnt und kannten das Problem deswegen in die andere Richtung. Denn das hat man eben auch, wenn man aus Deutschland ins Ausland zieht. Daraus entstand die Motivation, den ganzen Prozess leichter zu machen für Leute, die nach Deutschland kommen. Wir haben alle drei unterschiedliche Hintergründe und das ist eigentlich die beste Vorbereitung, die wir haben können, da wir dadurch alle Themen intern im Team abdecken können.

Kanntet ihr euch vor der Gründung schon?

Ja, wir kennen uns alle schon relativ lange, noch aus Flensburg. Letztes Jahr haben wir dann angefangen zusammenzuarbeiten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir haben gemerkt, dass da ein Problem ist und dann kam so ein bisschen die Überlegung: Was kann man da machen? Das hat mit der Idee zu einem Blog begonnen, wo man bestimmte Informationen weitergeben kann. Dann ging es halt weiter damit, dass klar war, dass ein Blog sich schwer monetarisieren lässt und darüber hinaus ist ein Blog auch wenig persönlich. Daraus ist Schritt für Schritt die Idee zu Localyze gewachsen.

Wie lief der Gründungsprozess ab? Welche Hürden sind auf euch zugekommen und worauf habt ihr euch in der Anfangsphase der Gründung am meisten konzentriert?

Wir haben relativ lange am Konzept gefeilt, was auch daran lag, dass wir uns auf das Exist-Stipendium beworben haben.  Da musste ein kompletter und umfangreicher Business Plan eingereicht werden. Das heißt, die Vorlaufphase war erst einmal relativ lang. Das war aber auch ganz gut, weil das auch die Möglichkeit gibt sich intensiv Gedanken zu machen: “Worauf fokussiert man sich denn? Wo will man hin?” Damit haben wir die ersten Monate verbracht.

Nebenbei haben wir immer noch gepitcht bei verschiedenen Events, um da natürlich auch noch einmal Feedback für unsere Idee zu bekommen. Dadurch sind wir dann auch Teil des Next Commerce Accelerators geworden und haben jetzt im letzten halben Jahr sehr stark mit der Produktentwicklung begonnen, worauf auch im Moment der Fokus liegt.

Was waren in der Konzeptionsphase die größten Learnings, die du auch für dich mitnehmen konntest? Was waren die Hindernisse und Hürden?

Das Fokussieren ist nicht so einfach. Man sieht die Idee und das, was man alles theoretisch machen könnte. Aber man muss sich eben auf Teilstücke konzentrieren um sich nicht zu verzetteln.

Dann stellt sich auch immer die Frage: Was ist realistisch? Was kann ich wann erreichen? Was kann ich mit wie viel Geld erreichen? Und natürlich auch: Wofür kann ich Geld verdienen? Ich glaube, je mehr man an der Idee arbeitet und je mehr Feedback man bekommt, umso mehr konkretisiert sich auch die Idee und man erkennt, was funktionieren kann und was nicht. Das Feedback kann natürlich aber in unterschiedliche Richtungen gehen. Da braucht es dann eine klare Linie und und einen Punkt an dem man sich sagt: “Okay, ich fokussiere mich jetzt darauf. Damit fange ich an. Das teste ich einmal.”

Die Richtung kann man immer noch ändern und nachjustieren.

Hatte von euch schon Gründungserfahrungen? Habt ihr euch in der Gründungsphase Beratung eingekauft oder hattet ihr einen Business Angel?

Gründungserfahrung hatte keiner, aber ich habe Beratungserfahrung. Meine Mitbewohnerin kommt eben aus dem HR-Bereich. Das heißt, sie kennt da den Markt. Die andere hat wiederum Produkterfahrung. Dadurch können wir vieles selber abdecken.

Wir sind zum Beispiel nicht zum Gründerberater gegangen aber wir standen ja im Austausch mit den Betreuern vom Exist-Stipendium und auch mit dem Accelerator.

Welche drei Tipps würdest du dir selber aus heutiger Sicht geben, wenn du nochmal ganz am Anfang der Gründung wärst?

Man muss sich glaube ich darüber im Klaren sein, dass alles etwas länger dauert als man anfangs denkt. Egal ob das die Produktentwicklung oder die Zusammenarbeit im Team betrifft.

Außerdem ist das Team extrem wichtig. Man sollte sich auch dreimal überlegt, mit wem man zusammenarbeitet. Wer passt? Wer hat welche Kompetenzen? Alle Teams, die ich kenne, hatten halt am Anfang relativ viel Wechsel im Team das scheint normal zu sein. Erst mit der Zeit findet man heraus was passt und was nicht, was braucht man und was nicht.

Sind das ausschließlich Kompetenzen, auf die du achtest, oder sind das auch zwischenmenschliche Aspekte?

Zwischenmenschliche Aspekte sind aus meiner Sicht um einiges wichtiger als die Kompetenzen. Kompetenzen kannst du lernen, das Zwischenmenschliche eher nicht.

Wenn es halt nicht passt, dann ist es egal, wie gut die Person ist, aber dann bringt es niemandem etwas. Man lernt ja am Anfang sowieso relativ viel. Deshalb ist es wichtig, dass das Team passt und man gemeinsam Spaß an der Sache hat. Dann kannst du den Rest lernen. Aber wenn du ein Team hast, wo vielleicht viele Kompetenzen da sind, die Zusammenarbeit aber nicht klappt, wirst du nie weit kommen.

Welche Charaktereigenschaften braucht ein Gründer?

Leidensfähigkeit. Ich glaube, ohne das geht es nicht, denn man braucht eine hohe Frustrationstoleranz, Leidensfähigkeit, damit man die ganze Gründungsphase durchstehen kann. Ich kenne kein Startup, was nicht ein paar Mal richtig auf die Fresse geflogen ist und das musst du dann durchstehen und weitermachen, sonst hat man da keine Chance.

Ich denke die Gründer, die am erfolgreichsten sind, sind auch die, die am längsten durchgehalten haben.

Was ist das Beste, das euch während der Gründung passiert ist?

Ich glaube, das kann man nicht an einem Moment festmachen. Wir haben bisher relativ viel Glück gehabt mit Externen, die wir uns ins Team hereingeholt haben. Das waren immer eher Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Dadurch haben wir es geschafft, uns ein ziemlich gutes Team aufzubauen. Ein Team, das gerne daran arbeitet und für das Startup brennt. Das hat uns am stärksten vorangebracht.

Würdest du jemals wieder etwas anderes machen wollen, jetzt wo du ein Startup gegründet hast? Das Leben und die Arbeitsweise sind ja doch verschieden.

Definitiv. Wenn das jetzt nicht klappt, kann ich mir definitiv vorstellen, noch einmal zu gründen. Es muss aber natürlich auch immer alles passen.

Habt ihr bisher in Marketing investiert? Habt ihr schon herausgefunden, wer eure Zielgruppe ist und wie man Neukunden gewinnen kann? Habt ihr Tipps oder Tricks?

Vor allem Sales und Marketing ist etwas, womit man nicht zu spät anfangen sollte. Man sollte systematisch vorgehen.

Es bringt dir nichts, wenn dir zehn Leute sagen, dass die Idee total gut ist, wenn sie dann später aber nicht bereit sind dafür zu zahlen. Das heißt, früh rangehen und versuchen, wirklich einmal etwas zu verkaufen. Erst dann weißt du, dass es eine Zielgruppe und einen Markt für dein Produkt gibt.

Wo seht ihr euch so in fünf Jahren? Gibt es da konkrete Zahlen oder Ziele, die ihr euch gesetzt habt?

Unser Ziel ist bis dahin definitiv international aktiv zu sein. Also im Endeffekt: Das, was wir machen, kannst du erst einmal für Deutschland aufbauen, du kannst es aber auch für jeden anderen Ort weltweit machen, an den Leute aus dem Ausland ziehen. Von daher ist das definitiv ein großes Ziel und dann ist es im weiteren Schritt auch ein Ziel, das für unterschiedliche Gruppen anzubieten. Zum Beispiel nicht nur für Unternehmen, die Leute einstellen, sondern auch B2C, so dass man es weltweit schafft, gobale Mobilität und Relocation zu vereinfachen.

Hast du das Gefühl, dass die Stadt Hamburg viel für Gründer tut? Werden Gründer in Hamburg gut unterstützt?

Es gibt schon gute Angebote in Hamburg. Das Netzwerk ist zwar immer noch kleiner als in Berlin, aber ich finde, was die Stadt selber tut hier nicht unbedingt schlechter als in Berlin. Trotzdem ist in Hamburg immer noch alles etwas zerstückelt.
Man hat teilweise die Universitäten, wo ein paar Startups sind. Man hat halt dann irgendwie so ein paar Company Builder, ein paar Accelerator Programme und so weiter. Aber es ist natürlich immer schwierig alle zusammen an einen Tisch zu bringen. Man hat in Hamburg keine dieser richtig großen Startup Konferenzen, wie sie vielleicht einmal in Berlin sind. Aber prinzipiell war es für mich noch nie ein Nachteil, dass wir in Hamburg sitzen und nicht in Berlin.

Gibt es generell etwas, das die Stadt Hamburg besser machen könnte? Wie könnten Startups besser unterstützt werden?

Es ist nett, dass die Startup Szene hier in Hamburg ein bisschen übersichtlicher ist. Man kann sich schneller vernetzen und andere Gründer kennenlernen. Für alles andere kann man ja auch nach Berlin gehen.

In Hamburg kann man anders wachsen, sich anders einen Namen machen und es gibt mehr Unternehmen.

Hat die Stadt Hamburg euch dazu bewogen, hier zu gründen oder war das einfach nur Zufall, dass ihr hier gegründet habt?

Das war uns egal. Aber da wir alle in Hamburg leben, war das relativ klar auch hier zu gründen.

Welche drei Tipps hast du für Gründer, die gerade am Anfang ihrer Gründung stehen?

Das Wichtigste ist, wie schon gesagt, das Team. Man braucht Leute die wirklich mitziehen und sich nicht verunsichern lassen. Alleine gründen würde ich selber nicht, denn wenn es einmal schlecht läuft, braucht man jemanden, der einen auffängt.

Man sollte gerade am Anfang viel Zeit investieren, damit man loslegen kann.

Als dritten Punkt finde ich es wichtig sich über das Thema Marketing Gedanken zu machen. Man kann noch so sehr in sein Produkt verliebt sein, aber wenn es sonst niemand ist, wird es schwierig.

An dieser Stelle danken wir Hanna von Localyze ganz herzlich für das Interview!

In unseren Gründerstories findest du weitere Interviews mit Startups, zum Beispiel „GRÜNDERSTORY MIT MAURICE VON HEIMATGUT GMBH – ONLINESHOP FÜR GESUNDE SNACKS