Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du und was machst du?
Ich bin Vahid Matein, 36 Jahre, zweifacher Vater. Verheiratet mit Yvonne Matein, meine Mitgründerin und Ehefrau.
Ich habe schon viel gemacht in meinem Leben. Ich war zwei Mal selbstständig mit einem Restaurant und einem Café, habe Erzieher gelernt  und war vorher eine ganze Zeit lang bei der Bundeswehr.
 
Wie bist du auf die Idee gekommen MEMBRS zu gründen?
Das ist aus einem Konzept entstanden, das es im Grunde so ja schon gibt. Es geht darum, Stammkundschaft zu festigen. Dem Kunden Vorteile zu verschaffen, ihm Benefits oder Rabatte zu gewähren. Die Grundidee war ein Netzwerk von Läden, die sich unter einem Banner vereinen, um dem Kunden Vorteile zu sichern. Groß gedacht ist die Vision dahinter, den Unternehmen Bestandsschutz  zu sichern und ihnen den Aufbau einer starken Kundschaft zu ermöglichen, die so genannten „Membrs“. Die Sache sollte jedoch nicht profitorientiert sein. Es sollte einen guten Hintergedanken geben. Dementsprechend wandert die Nutzungsgebühr nicht in die „eigene Tasche“, sondern wird gespendet. Dabei liegt der Fokus auf kleinen, lokalen, gemeinnützigen Vereinen, die die meisten gar nicht auf dem Schirm haben, die wirklich im eigenen Viertel etwas tun.  Offene Kinder und Jugendarbeit, Seniorenhilfe, Obdachlosenhilfe. Sechs Projekte wurden bereits unterstützt.
 
Welche waren das?
Esche Jugendkunsthaus, Familienhafen, Zündfunke e.V. , DeluxeKidz, Open School 21,  und Alimaus. Das nächste Projekt wird „Zweikampfverhalten“ , das liegt im Bereich Jugendarbeit. Der Fokus liegt auf der nächsten Generation.
 
Lass uns über die Vorteile für die Läden bzw. Einzelhändler sprechen.  Für wen ist das Konzept am besten geeignet und warum?
Das Angebot  richtet sich grundsätzlich nur an regionale Einzelhändler. Vorzugsweise solche mit einem einzelnen, inhabergeführten  Geschäft. Die Partner sind qualitativ hochwertig – sie achten auf Fairness, Fairen Handel, Nachhaltigkeit und gute Produkte. Das sind die Aspekte, die mir wichtig sind. Solche Läden sind bedroht – von Franchise, Online-Handel und großen Konzernen. Deshalb liegt der Fokus des Konzepts nur auf den kleinen Läden.
Das eigentliche Branchenspektrum ist ziemlich breit gefächert – Mitglieder sind natürlich der Einzelhandel  und die Gastronomie, aber auch Dienstleistungsgewerbe wie Tattoo-Studios oder Kosmetik und Beauty sind vertreten. Das bedeutet, der Einzelhändler ist nicht ausschließlich von seinem eigenen Angebot abhängig, sondern das ganze Netzwerk aus Unternehmen macht es für den Nutzer so attraktiv.  Das Angebot soll die Membrs durch eine breite Fächerung überzeugen, sich dem Netzwerk anzuschließen.
 
Wenn du eine Kategorie nennen müsstest, die am meisten vom Konzept profitiert, welche wäre das?
In erster Linie gastronomische Angebote, da sie täglich frequentiert werden. Außerdem der Einzelhandel: Konsumartikel wie Kleidung und Accessoires, solche Sachen. Besonders da ist es wichtig, dass die Kunden die richtigen Sachen kaufen und auch in den richtigen Läden.
 
Was ist das ausschlaggebende Argument für ein Unternehmen, Membrs beizutreten?
Ganz klar: Stammkundschaft  aufbauen. Die Leute kommen zum Beispiel täglich vorbei, statt sich das Essen liefern zu lassen. Sie tauchen face-to-face in den Läden auf, um dort immer wieder zu konsumieren. Davon wird jeder Laden profitieren.
 
Was wäre die Alternative zu Membrs für den Unternehmer?
Letztendlich muss jeder irgendwie  Werbung machen. Den Standort zu halten und sein Geschäft zu betreiben reicht nicht aus, um den Kundenkreis zu erweitern. Durch die App werden die Leute aufmerksam und kommen gezielt zu ihm.
 
Was unterscheidet Membrs von den anderen Alternativen – warum ist Membrs besser?
Membrs ist besser, weil es auf jeden Fall  gemeinnützig ist. Es ist kein profitorientiertes Unternehmen. Es bringt  ein hohes Maß an Qualität mit sich, weil die Partner gezielt ausgesucht werden.  Es ist eben kein offenes Angebot, wie z.B. YELP, wo sich jeder anmelden kann – auch Franchise und Großkonzerne. Bei Membrs richtet sich der Fokus auf die ansässigen Einzelhändler.
 
Reden wir über die User – wie überzeugst du die Kunden, die App zu nutzen und Mitglied zu werden?
Über die Einsicht des Kunden, dass er Teil einer guten Sache ist.  Er selbst kann dadurch, dass er den eigenen Konsum an der App ausrichtet, sein Konsumverhalten nachhaltig verbessern. Sein Geld wirklich nur im eigenen Viertel  ausgeben und dadurch die Einzelhändler und die kleinen Vereine auf direktem Wege finanziell unterstützen. Schlussendlich ist es eine ganz einfache Rechnung: Man muss einen kleinen Betrag für einen guten Zweck investieren, den man übers Jahr hinweg wieder einsparen kann. Das geht sogar relativ schnell: Pro Einkauf mit der  App erhält man durchschnittlich 10% Rabatt.
 
Man unterstützt also den lokalen Handel und kann dabei etwas sparen. Was gibt es noch an Argumenten?  
Man kann das eigene Konsumverhalten nachhaltig verbessern. Man blendet die Konzerne und das Franchising komplett aus, schaut einfach kurz in die App rein und sieht: Alles klar, der Laden ist bei mir um die Ecke, da krieg ich meinen Kaffee günstiger – oder meine Klamotten, oder was sonst noch im Angebot ist.
 
Reden wir noch ein bisschen über die Zukunft – was soll die Firma „Membrs“ in den nächsten fünf Jahren erreichen?
Ziele sollte man hoch stecken, so sehe ich das. Klar – man backt jeden Tag kleine Brötchen,
aber das Ziel ist, den deutschsprachigen Raum innerhalb der nächsten fünf Jahre zu erobern.
In jeder Kommune, in jeder Stadt, sollen sich viele Unternehmen der App anschließen , um das Angebot so attraktiv wie möglich für den Endkunden gestalten. In Zahlen gesprochen bedeutet das: 10.000 Unternehmen in den nächsten 5 Jahren. Dadurch wird es für den Konsumenten zu einer interessanten Geschichte, die App zu unterstützen. Wir erhoffen uns bis dahin eine Million Nutzer – das ist das Ziel.
 
Kommen wir noch mal auf dich zurück – welche Herausforderung hattest du als Gründer?
Zunächst ist Gründen von den grundsätzlichen Gegebenheiten abhängig. Wie ist grade der Status der Familie, wie verdient man Geld, welche Mittel hat man zur Verfügung – und wie kriegt man das alles unter einen Hut? Es ist für mich natürlich nicht einfach, als zweifacher Familienvater zu gründen. Meine Kinder sind sieben und acht Jahre alt, das muss man mit dem Alltag vereinbaren. Man muss seine eigenen laufenden Kosten decken. Bei jeder Gründung  gibt es ein Investment, das man zunächst aufbringen muss. Entweder man hat es auf der hohen Kante, oder man braucht dementsprechend einen Businessplan, der ein so tragfähiges Konzept hat, dass es finanziert wird.
Wir waren in der Situation, dass wir Geld auf der hohen Kante liegen hatten – wir hätten in einen Hausbau oder einen Wohnungskauf investieren können, haben uns aber dagegen entschieden. Wir wollten gerne etwas für die Gesellschaft tun und  diesen Traum in die Realität umsetzen.
Diese Situation haben die meisten Gründer nicht. Sie haben zwar eine gute Idee, müssen aber sehen, wie die Finanzierung aussieht. Das war bei uns nicht der Fall.
 
Dann ist der Netzwerk-Aufbau  nicht einfach. Man muss zunächst viele Unternehmen überzeugen, mitzumachen, um das Angebot überhaupt attraktiv zu gestalten. Hier ist das klassische Henne – Ei Problem, zunächst die Händler ins Boot zu bekommen, und die  am besten nicht wild verteilt und aus einer Branche, sondern ein attraktives Gesamtpaket zusammenzustellen. Die Vision dahinter ist 200-300 Unternehmen in einem Umkreis von fünf Kilometern mit einem breiten Spektrum von Angeboten in der App zu haben, damit etwa  20-30 Tausend Menschen die App kaufen. Dann ist es ein tragfähiges Konzept. Wenn es dann über Hamburgs Grenzen hinaus publik wird, wird es auch in jeder anderen Stadt oder Kommune in Deutschland funktionieren.
 
All diese Dinge muss man zu Beginn unter einen Hut bekommen. Stück für Stück und Tag für Tag. Wir legen jedoch ein recht gutes Tempo vor. Die Idee entstand zu Weihnachten 2016, die Entwicklung  der App war im Juli 2017 abgeschlossen, also ca. ein halbes Jahr Vorlauf und Entwicklungszeit. Anschließend ganz klassische Kaltakquise.
Bis heute sind 90 Unternehmen dabei- gute Unternehmen, nicht irgendwelche. Es gibt ähnliche Konzepte, mit denen ich aber nicht konform gehe, weil die Auswahl der Unternehmen beliebig ist. Diese Unternehmen arbeiten profitorientiert, es geht ihnen nicht darum, etwas Gutes zu tun, sondern sie wollen im Grunde einfach nur Kohle verdienen.
 
Letzte Frage! Gibt es sonst irgendetwas, das man über dich oder über Membrs wissen sollte?
Wir sind ganz bodenständige Menschen. Eine kleine Familie. Wir arbeiten im Gegensatz zu großen Unternehmen transparent. Unsere Unternehmensform ist eine  GmbH, jeder kann die Bilanz einsehen, jeder kann sehen, wie wir unseren Aufbau vollzogen haben.
Geld zu verdienen liegt  bei uns überhaupt nicht im Fokus, wie schon gesagt.
Wenn das Netzwerk einmal stark genug ist, weil sich ausreichend Unternehmen beteiligen und dementsprechend viele User die App nutzen, ist es tatsächlich eine interessante Werbeplattform für die registrierten Unternehmen. Es wird die Möglichkeit geben, kostengünstig in der App Werbung zu schalten. Wir handeln nach dem Prinzip des „Gebens und Nehmens“ – das heißt erst wenn die kleinen Unternehmen und Vereine  mit Geldern versorgt wurden, kommen Einnahmen über die Werbung zurück, mit denen wir dann unsere Kosten decken.